Schrumpfkurs trotz Millioneninvestitionen? 

Mit einer einzigen Antwort hat Bürgermeister Gero Wenzens eine Debatte entfacht, die weit über die Zukunft der Bettine-von-Arnim-Schule (BVA) hinausgeht.

Auf die Frage, wann der inzwischen rund 35 Jahre alte Containertrakt der Schule saniert oder ersetzt werde, antwortete er unmissverständlich:

„Dieser Teil wird nicht erneuert und schon gar nicht erweitert. Die BVA wird zukünftig auf eine Vierzügigkeit zurückgeführt und die aktuell bestehenden Fachräume müssen nach Abriss des Containerabschnittes in den restlichen Bestand integriert werden.“ 

Eine Aussage mit weitreichenden Folgen. Denn damit kündigt der Bürgermeister nicht nur das Ende eines provisorischen Gebäudeteils an, sondern gleichzeitig eine dauerhafte Verkleinerung einer der weiterführenden Schulen Langenfelds.

Besonders bemerkenswert war die unmittelbare Reaktion im Raum. Schulleiter Herr Bruhn schien von dieser Aussage sichtlich überrascht. Ihm fehlten zunächst die Worte. Die Zukunft seiner Schule, so klar formuliert, kam für ihn offenbar unerwartet. Er erklärte, diese Perspektive zunächst einmal sacken lassen zu müssen.

Ein überraschender Kurs

Die Aussagen werfen Fragen auf.

Seit Jahren wird in Langenfeld intensiv über die Zukunft der Schullandschaft diskutiert. Zahlreiche Konzepte wurden vorgestellt und wieder verworfen. Inzwischen wird die Grundlage für eine dritte Gesamtschule geschaffen. Gleichzeitig prüfen die Bürgergemeinschaft Langenfeld (BGL) und weitere politische Akteure die Einführung einer Primusschule, um zusätzliche Plätze im Bereich der weiterführenden Schulen zu schaffen.

Vor diesem Hintergrund wirkt die angekündigte Verkleinerung der Bettine-von-Arnim-Schule widersprüchlich.
Warum wird eine etablierte Schule zurückgebaut, während an anderer Stelle neue Kapazitäten entstehen sollen?
Millionen für einen kurzfristigen Bedarf?

Noch bemerkenswerter wird diese Frage durch eine weitere Aussage von Bürgermeister Wenzens. Nach seiner Einschätzung werde Langenfeld in etwa zehn Jahren die derzeit geplanten Schulkapazitäten „nicht einmal ansatzweise“ benötigen.
Wenn diese Prognose zutrifft, stellt sich zwangsläufig die nächste Frage.
Warum sollen bis zu 70 Millionen Euro und mehr investiert werden, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, wenn gleichzeitig davon ausgegangen wird, dass der Bedarf schon in wenigen Jahren deutlich zurückgeht?
Soll hier tatsächlich ein kurzfristiger Engpass mit Investitionen in Millionenhöhe aufgefangen werden, obwohl die langfristige Entwicklung bereits heute anders eingeschätzt wird?

Wo bleibt das Gesamtkonzept?

Die Schulpolitik der vergangenen Jahre war geprägt von wechselnden Ideen und zahlreichen Diskussionen. Nun wurde über eine eigens eingerichtete Task Force der aktuelle Weg entwickelt.

Doch die jüngsten Aussagen lassen Zweifel daran aufkommen, ob die langfristige Strategie der Öffentlichkeit ausreichend vermittelt wurde.

Gerade die Aussage zur Bettine-von-Arnim-Schule vermittelt den Eindruck, dass eine weitreichende Entscheidung bereits getroffen wurde, ohne dass sie zuvor öffentlich als Teil eines Gesamtkonzeptes ausreichend und klar formuliert vorgestellt worden ist.

Vertrauen entsteht durch Transparenz

Schulentwicklung gehört zu den wichtigsten Zukunftsentscheidungen einer Stadt. Sie betrifft nicht nur Gebäude und Investitionen, sondern vor allem Kinder, Eltern, Lehrkräfte und kommende Generationen.
Wenn eine traditionsreiche Schule dauerhaft verkleinert werden soll, während gleichzeitig Millionenbeträge in neue Schulstrukturen fließen, braucht es mehr als einzelne Aussagen in einer Ausschusssitzung.

Es braucht ein nachvollziehbares Gesamtkonzept. Es braucht belastbare Prognosen. Und es braucht Transparenz.

Denn nur wenn Politik ihre Entscheidungen nachvollziehbar erklärt, können Bürgerinnen und Bürger verstehen, warum bestehende Strukturen zurückgebaut werden sollen, während gleichzeitig neue geschaffen werden.

Die Zukunft der Bettine-von-Arnim-Schule ist damit längst mehr als die Frage nach einem alten Containertrakt. Sie ist zu einer Grundsatzfrage über die künftige Ausrichtung der gesamten Langenfelder Schullandschaft geworden.